Kassel, ihr wart unglaublich!

Die erste Mini Maker Faire Kassel ist vorbei – und wird wahrscheinlich nicht die letzte bleiben. Ich machte am Wochenende Bekanntschaft mit leidenschaftlichen Makern, die Leseratten und Bücherwürmern ihre Projekte zeigten und für technische und kreative Hobbys begeisterten.

In der Kasseler Innenstadt war die Stimmung an einem der ersten schönen Herbstwochenenden gut. Viele Leute nutzten den freien Tag zum Bummel durch die Innenstadt. Nur ein paar Schritte von dem Markt auf dem Königsplatz entfernt fanden viele Besucher den Weg zur Mini Maker Faire in der Thalia-Buchhandlung. Es gab viel zu sehen, zu lernen, zu bestaunen und vieles zum Selbermachen.

Unlimited 3D

Begrüßt wurden die Besucher am Stand von Unlimited 3D. Das ist das Startup von den jungen Entwicklern Julian und Jonathan, die eigene 3D-Drucker bauen und die Bauteile dafür selbst entwickeln, drucken oder anfertigen lassen. Die Idee dazu kam den beiden während eines Schülersemesters in England. Am Stand erklärten sie neugierigen Besuchern alles rund um 3D-Druck. Die mitgebrachten Testdrucke zeigen eindrucksvoll, wie weit das Medium schon ist: Druck ohne interne Stützen, Filament aus Holz, glatte Oberflächen oder bewegliche Bauteile von Behältern und Schrauben führten Julian und Jonathan vor.

Tabletopclub Kassel

Der Tabletopclub Kassel brachte vorgrundierte Spielfiguren mit, die Besucher unter fachkundiger Anleitung von René, Sebastian und André nach eigener Vorstellung bemalen konnten. Die Kunstwerke der Profis konnte man auf den Spielplatten neben der Malstation bestaunen. Da hat es mich schon sehr in den Fingern gejuckt! Aber meine unfertigen Modelle waren leider nicht mit dabei. Mit den Spielzeugsoldaten, -robotern oder –monstern lassen sich beeindruckende historische oder fiktive Schlachten nachstellen, z.B. aus den napoleonischen Kriegen oder dem Herrn der Ringe.

Sandershaus

Weniger kriegerisch aber nicht weniger kreativ ging es am Stand von Sandershaus zu. Das Sandershaus, das sind soziale Unterkünfte, eine Bar und viele Werkstätten im Gebäude eines ehemaligen Möbellagers. Fanny und Frank brachten Schönes und Nützliches aus den offenen Werkstätten mit. Ein Tütenspender von IKEA war die Basis für ein stylisches Insektenhotel, alte Bücher (ausgediente Lernhilfen etc.) dienen jetzt als Zettelhalter und glänzende Kaffeeverpackungen werden zu Schmuck. Fanny zeigte mir ihre Falttechnik, mit der sie altes Papier zu Körben, Matten oder Untersetzern verarbeitet. Und ich durfte mir sogar ein Mitbringsel anfertigen: einen Schlüsselanhänger aus weichem Leder. In der angeschlossenen Holz- und Textilwerkstatt kann man z.B. Bilderrahmen, Polstermöbel oder Knietabletts selbst anfertigen.

Reparier Café Kassel West

Das Reparier Café Kassel West war durch Herrn Ehle vertreten. Er hatte einen kleinen Patienten dabei, einen kaputten Motor. Daneben zeigt er auch sein Werkzeug und klärt die Besucher über die Arbeit des Repair Cafés auf. Dabei geht es vor allem um eins: Hilfe zur Selbsthilfe. Mir wurde an dem Stand auch gleich auf sympathische Weise geholfen, als der Fokus meiner Kamera nicht so wollte wie ich. Scharfe Sache!

Hammertime Kassel

Eine ganze Wand für sich hatte der neu gegründete Makerspace Kassels, Hammertime. Alex zeigte mir die vielen Projekte und Spielereien, die Hammertime für die Besucher mitgebracht hatten. Leckere Äpfel mit dem durch Laser „eingravierten“ Hammertime-Logo gab es für alle. Präsentiert wurden sie natürlich in einer selbst hergestellten Obstschale aus gelaserter Pappe. Der Stand wurde von InMoov bewacht, einem OpenSource-Roboter, dessen Sensor aus einer Xbox stammt. Die Gäste konnten sich außerdem eigene Vakuumformen herstellen. Alex hat damit Hammertime-Schokoriegel hergestellt. Fanny vom Sandershaus machte daraus eine Form, um den Geburtstagskuchen ihrer Nichte zu verzieren. Das Projekt, über das ich hier am meisten gestaunt habe, kam von Alex: ein 3D-gedruckter modularer Dungeon für Pen & Paper-Rollenspiele. Bewegbare Türen, Fallen, Treppen und Figuren stammen alle aus dem Drucker. Ein kleines Skelett begleitete mich zurück nach Dortmund und steht jetzt auf meinem Schreibtisch Wache.

Kasseler Schiffsmodell-Club

Die zweite Wand wurde vom Kasseler Schiffsmodell-Club eingenommen. Der Platz war auch bitter nötig. Neben dem Modell eines Seenotretter-Schiffs lag die „Schaltzentrale der MACHT“ – oder liebevoll „Igel“. Sein Innenleben zeigt einem alle Gadgets, mit denen man Modellschiffe ausstatten kann. Lichter, Lautsprecher, Jet-Antriebe, fast 200 Funktionen können damit aus der Ferne gesteuert werden. Ganz besonders gefreut hatte ich mich im Vorfeld aber auf den Hai. Er „schwamm“ entspannt auf seinem Posten und ließ sich brav von den Besuchern streicheln. Bei Vorführungen im Wasser ziehen ihm Walter Roth und sein Team eine bemalte Haut aus Theater-Latex an, in der er lebensecht wirkt. Ohne die Haut konnte man die Bauteile aus dem 3D-Drucker und die Motoren aber wunderbar ansehen und sich so technische Inspiration für die Bewegung holen. Das nächste Modell, bei dem man wirklich alles anschauen konnte, war ein selbstgebauter 3D-Drucker, der mit Acrylglas verkleidet ist. Die Kabel und Anschlüsse kann man so schön nachvollziehen und noch das eine oder andere dazulernen.

Raum für urbane Experimente

Der Raum für urbane Experimente konnte leider wegen Krankheit nicht dabei sein. Gute Besserung an die Graffiti-Künstler, deren Kunstwerke ihr in Kassel im Original besichtigen könnt!

Die Faltschachtel auf dem Beitragsbild stammt vom Bremer Maker Heiko Ahrens.

Danke, Kassel!

Die erste Mini Maker Faire in der documenta-Stadt war wunderschön! Staunende Besucher und Maker gingen von Stand zu Stand, fanden Anregungen für neue Projekte und tauschten ihr Wissen aus. Ich freue mich schon auf die nächste Mini Maker Faire in  Kassel voller begeisterter Maker.

Übrigens: Passend zu den Projekten findet ihr in der Buchhandlung in den kommenden Tagen einen Büchertisch. Wollt ihr euch selbst an Robotern und Co. versuchen? Dann kommt wieder zu Thalia in der Kasseler Innenstadt und holt euch das nötige Wissen, um eure Kreativität zu unterstützen!

An alle Kasseler, die diese Veranstaltung verpasst haben: Am 30. März 2019 findet die Mini Maker Faire Göttingen statt. Seid mit dabei!

Unsere nächste Station ist Ende diesen Monats in Bonn. Am 29. September nimmt euch Larissa zur 1. Mini Maker Faire bei Thalia Bonn. Dabei wird es bekannte Gesichter geben: aus der allerersten Mini Maker Faire in Köln! Wir sind schon gespannt auf neue und alte Maker und Projekte.

Unser Gewinnspiel läuft noch bis November. 😉

Sabine