Do it yourself ist ein anhaltendes Trendthema im Buchhandel. Die Nachfrage beschränkt sich nicht auf Handarbeiten, Basteln und Malen. Gerade auch Themen der Maker-Bewegung finden zunehmend Anklang.

Bei Häkelmützen, Schmuck und Taschen ist man es längst gewohnt, den Satz „Das habʼ ich selbst gemacht“ zu hören. Aber bei der Fernsteuerung des ­Garagentors, einer automatischen Gartenbewässerung oder Spielfiguren aus Kunststoff ist es noch immer äußerst ungewöhnlich, wenn sie in einer hauseigenen Werkstatt entwickelt wurden. Unmöglich ist es aber nicht, wie Handbücher für PCs im Mini-Format, Anleitungen für Elektronik-Projekte oder Literatur über 3D-Druck ­zeigen: Mit der passenden Hardware und ein wenig Geschick lässt sich so einiges ­bewegen.

Im Do-it-yourself-Bereich des stationären Buchhandels ist die Nachfrage nach Büchern für Maker, also technikaffine Bastler und Tüftler, in den vergangenen Jahren stark gewachsen, heißt es. „Das Thema wird bei uns über das ganze Jahr nachgefragt“, berichtet Marion Peußner, Fachbuchhändlerin für Technik und Wirtschaft bei Decius in Hannover. Peußner beobachtet die Interessen und Trendthemen der Maker-Szene genau und versorgt ihre Kunden mit einem entsprechend breiten Themenangebot. Dabei setzt sie oftmals auf Frontalpräsentation: „Diese Bücher müssen gesehen werden“, ist sie überzeugt. Zudem werden Einzeltitel und Komplettpakete, wie etwa der Franzis-Verlag sie zu verschiedenen Elektronik-Projekten anbietet, je nach Zielgruppe im Bereich Computer/Technik oder im Kinderbuchbereich platziert.

Bei Osiander in Konstanz und Wittwer in Stuttgart werden Maker-Bücher ebenfalls kontinuierlich nachgefragt, insbesondere Titel zu dem Mini-Computer Raspberry Pi und dem Micro-Controller Arduino. „In Konstanz haben wir ein sehr breites Spektrum an Titeln am Lager“, sagt Osiander-Buchhändlerin Franziska Schirm über ihr Maker-Angebot. Der Umfang hänge aber von der Größe der jeweiligen Filiale ab. Silke Flechsler, Gruppenleiterin Technik/EDV bei Wittwer in Stuttgart, hat im Bereich Technik mehr Platz für Maker-Themen geschaffen. Präsentiert werden diese auf Thementischen und ebenfalls zusammen mit Komplettpaketen, die Buch und Bauteile enthalten.

 

Fachwissen unterhaltsam aufbereitet

Beim Blick ins Buchregal für die Maker-Zielgruppe fällt auf, dass neben zahlreichen Novitäten eine Reihe von Titeln mit konstanter Nachfrage am Markt sind, vor allem zu den drei großen Schwerpunktthemen der Szene, Arduino, Raspberry Pi und Roboter (s. Tabelle am Ende des Artikels). Zu den Topsellern zählen den Verlagen zufolge zum Beispiel:

„Die elektronische Welt mit Arduino entdecken“ (OʼReilly): Autor Eric Bartmann erklärt den kleinen Microcontroller Schritt für Schritt und führt damit zugleich in die Welt der Elektronik ein. Den Kern des Buches bilden mehr als 40 detailliert beschriebene Projekte vom blinkenden LCD bis zum Bau eines Roboters.

„Raspberry Pi – Das umfassende Handbuch“ (Rheinwerk): Hier erklären die Autoren Kofler, Kühnast und Scherbeck auf mehr als 1000 Seiten den Aufbau und die Funktionsweise des Mini-Computers mit der Grundfläche einer Scheckkarte, erläutern, wie er programmiert wird und zeigen von Hausautomation bis Videoaufzeichnung eine Reihe von Bastelprojekten. „Von diesem Buch haben wir in der ersten Auflage in weniger als einem Jahr über 10 000 Exemplare verkauft“, hat Britta Behrens vom Rheinwerk-Marketingteam ermittelt. „Für ein IT-Buch ist das ein schwer wiederholbarer Erfolg“, meint sie.

„Lego-Roboter. Bauen und programmieren lernen mit Lego Mindstorms EV3“ (dpunkt): Das Lego-Bausystem „Mind­storms“ ermöglicht es jedermann, funktionierende Roboter zu konstruieren und zu steuern. Autor Laurens Valk vermittelt Grundlagen und beschreibt den Bau und die Programmierung von fünf Robotern. Laut dpunkt-Geschäftsführer Michael Barabas erreichen Maker-Toptitel wie „Lego-Roboter“ bei dpunkt regelmäßig Verkaufszahlen oberhalb von 5000 Exemplaren.

 

Hobby für mehrere Generationen

Die genannten Fachbücher richten sich vornehmlich an erwachsene Leser, die gern basteln, experimentieren und gestalten. Für sie werden auch immer wieder neue Trends aufgegriffen, wie etwa die Themen Drohnen (Rattat: „Multicopter selber bauen“, dpunkt Edition Make) und 3D-Druck („3D-Druck für alle“, Hanser; „3D-Drucker selber bauen“, Franzis) – Themen, die von der Industrie in den Hobbybereich verlängert wurden.

Dabei hat der breite Hobby-Ansatz in den letzten Jahren nicht allein die Vielfalt des Literaturangebots, sondern auch die Aufbereitung der Inhalte beeinflusst, wie Jenny Pfeiffer, Produktmanagerin beim Franzis Verlag, herausstellt: „Wir müssen bei der Entwicklung unserer Konzepte im Hinterkopf behalten, dass die Bücher nicht mehr wegen des Studiums oder des Berufs, sondern in der Freizeit gelesen werden. Das heißt, dass sie unterhaltsam geschrieben und gestaltet sein müssen.“ Außerdem haben die Verlage festgestellt, dass die Maker-Bewegung viele Generationen anspricht. Schon Schulkinder begeistern sich für Elektronik, viele Jugendliche programmieren in ihrer Freizeit. Im Informatikunterricht in der Schule werden den Schülern erste Schritte in Programmiersprachen vermittelt. Daher haben zum Beispiel die Verlage Franzis und MITP ihr Programm erweitert und einige Titel speziell für Kinder entwickelt, etwa in den Reihen „… für Kids“ bei MITP und „Der kleine Hacker“ bei Franzis. Der Franzis Verlag bietet zudem „Bauboxen“ und „Maker Kits“ sowohl für Kinder ab acht Jahren als auch für Erwachsene an.

Beim Vertrieb spielt der stationäre Buchhandel den Verlagen zufolge eine sehr wichtige Rolle, obwohl die technikaffine Zielgruppe auch das Internet sehr intensiv zum Austausch (Blogs, Videos auf Youtube) und zum Einkauf nutzt. Bei MITP zum Beispiel liegt der Vertriebsanteil Buchhandel bei rund 35%, wie Verlagsleiter Steffen Dralle mitteilt. „Gerade die individuelle Beratung bei den manchmal komplizierten Fachbuchthemen qualifiziert den Buchhandel gegenüber anderen Vertriebskanälen und macht ihn damit für uns unersetzlich“, betont er. Beim Rheinwerk-Verlag, der im digitalen Bereich sehr aktiv ist und zum Beispiel Youtube für Lern-Videos nutzt, sowie bei Franzis wird die Rolle des stationären Buchhandels ähnlich bewertet: Neben Fachbüchern würden sich hier vor allem spielerische Titel und Pakete, die sich als Geschenke für jüngere Leser eignen, gut verkaufen. „Die Komplettpakete sind zu einem starken Standbein unseres Programms geworden“, sagt Markus Stäuble, Programmleiter Professional Series, bei Franzis.

Aufseiten der Verlage herrscht ein breiter Konsens, dass das Interesse am Thema weiter zunehmen und im Buchhandel sein Potenzial noch stärker entfalten wird, denn in der Bevölkerung wachse der Wunsch, Dinge richtig zu verstehen, selbst herzustellen, zu reparieren oder neu zu verwerten (Stichwort „Upcycling“). Dies sei auch auf Messen, Konferenzen und Workshops spürbar, sagt Miriam Robels aus dem MITP-Marketing. Der Verlag nutzt klassische und digitale Medien, aber auch Veranstaltungen, um mit den Lesern direkt in Kontakt zu treten.

Die kreativen Ansätze der Szene sind vielfältig. Und zahlreiche neue Maker-Themen sind bereits in der Pipeline: Von Hausautomation bis hin zu Wearables (tragbare, mobile Computertechnologie).

Ulrike Peters peters@buchreport.de

Fotos: Franzis; Silke Flechsler/Wittwer

Foto: Franzis Verlag