Die Frickler von heute basteln gern mit elektronischen Mitteln. Einige davon sind längst im Einzelhandel angekommen, andere Zukunftsmusik. buchreport stellt die wichtigsten Themen und Trends der Bewegung vor.

Es scheint so, als gäbe es ein neues Lebensgefühl für Menschen, die man bisher landläufig Bastler, Tüftler oder Frickler nannte. Sie nennen sich selbst Maker und sie befassen sich zum Teil mit ganz neuen Themen, als mit denen, die bisher in der Hobbythek- und Bastlerwelt vorherrschten.

Viele Themen – vom Quadrocopter bis zum 3D-Drucker – wurden anfänglich belächelt, als sie noch selbst gebaut und ans Laufen gebracht werden mussten. Die Maker-Bewegung hat im vergangenen Jahrzehnt unzählige Ideen realisiert, die zuvor als durchgeknallt oder nicht umsetzbar galten. Und irgendwann war es keine Idee mehr, sondern wurde zum Vorbild für Produkte und Serienproduktion. So zeichnen sich bereits jetzt neue Betätigungsfelder für Maker ab, die immer neugierig auf noch unerforschte Gebiete sind. Augmented Reality ist beispielsweise so ein Gebiet. Dieser Begriff steht für eine erweiterte Realitätswahrnehmung mithilfe eines Computers. Beispielsweise schaue ich dabei durch eine Brille und bekomme die Info eingeblendet, dass das Restaurant, das ich gerade durch die Brille sehe, heute Ruhetag hat; auch das ein Bereich, der heute eher belächelt wird, morgen aber mithilfe von Makern auch im Mainstream ankommen kann.

In den nächsten Blog-Beiträgen informieren wir über zentrale Trends und Themen.

 

Arduino, Raspberry Pi – Taktgeber der neuen Maker-Bewegung

Die moderne Maker-Welt wäre ohne diese beiden kleinen, unscheinbaren Elektronikbauteile nicht denkbar. Sie stellen quasi den Taktgeber für die Maker-Bewegung dar. Arduino ist ein sogenannter Mikrocontroller, den man sich als Kleincomputer im Scheckkartenformat vorstellen kann. Der Arduino wurde 2005 an einer italienischen Hochschule mit dem Ziel entwickelt, Künstlern und Nicht-Tekkis ein elektronisches Steuerungsgerät an die Hand zu geben, das auch ohne umfassendes Informatikwissen selbst programmiert werden kann. Sowohl die Hardware wie auch die Software wurden unter einer freien Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Dies und das boomende Internet trugen vor allem zum rasanten Erfolg des Minicomputers bei. Programme, die für den Arduino geschrieben wurden, kursieren heute zu Hunderttausenden im Internet und stehen ebenfalls unter freier Nutzungslizenz, sodass man kaum noch selbst programmieren muss, sondern lediglich wissen muss, wo man diese kleinen Programme herrunterladen kann – dafür gibt es schließlich Youtube (z.B. Suche nach „Arduino“ und „Garage Door Opener“).

2011 wurde erstmalig der Minicomputer Raspberry Pi für ca. 40 Euro auf den Markt gebracht. Das Raspberry-Pi-Board unterscheidet sich von dem Arduino-Board insofern, dass es bereits ein komplettes Computersystem darstellt, auf dem das freie Betriebssystem Linux lauffähig ist. Es ist somit ein Kleincomputer, ebenfalls im Scheckkartenformat, auf dem praktisch alles arbeitet, was auch auf einem PC lauffähig ist und das mit minimalem Stromverbrauch und ohne störende Lüftergeräusche. Der von der englischen Raspberry Pi Foundation entwickelte Einplatinencomputer eroberte die Maker-Welt, die durch den Arduino bereits sensibilisiert war, innerhalb kürzester Zeit. Besonders im schulischen Bereich ist der Raspberry Pi heutzutage nicht mehr wegzudenken. Da er auch netzwerkfähig ist, sind mittlerweile an vielen Schulen große Rechennetze entstanden, die nur aus den kleinen, günstigen Raspberry-Pi-Rechnern bestehen.

Längst hat jeder IT-Fachbuchverlag Bücher zu Arduino und Raspberry Pi im Angebot. Alle Elektronikversender haben diese Minicomputer an prominenter Stelle im Portfolio. Viele Firmen bieten mittlerweile Starter-Kits und ergänzende Zusatzmodule wie Temperaturfühler, Kameras oder Lichterketten an, die speziell auf das Arduino- oder Raspberry-Pi-Board passen; die Steuerungsprogramme dafür werden direkt mitgeliefert. Fazit: Arduino und Raspberry Pi sind bedeutsame Katalysatoren für die moderne Maker-Bewegung. Durch sie wurde möglich, dass Menschen ihre Bastelprojekte mit Elektronikanteilen anreichern können, ohne dabei vertiefende Elektronik- und Programmierkenntnisse zu besitzen.

 

Volker Bombien

veröffentlicht im buchreport.magazin 1/2016