Raul Krauthausen ist 35 und lebt in Berlin. Er hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation sowie Design studiert und ist außerdem ausgebildeter Telefonseelsorger. So wie er wurden viele zum Maker: Er hatte eine Idee, die seinen Alltag erleichtern kann, und suchte nach fertigen Produkten, die genau das können. Er stellte fest, dass es diese Produkte nicht gibt und musste sich daraufhin selbst etwas einfallen lassen. Und fand dabei eine simple, aber elegante Lösung, die er für sich realisierte.

Krauthausens Idee: Er suchte nach ­einer Auflademöglichkeit für sein Smart­phone für unterwegs. Wenn Raul Krauthausen unterwegs ist, dann ist er mit seinem Elektro-Rollstuhl unterwegs. Da ist es naheliegend, den Strom zum Aufladen seines Handys über die Akkus seines Rollstuhles zu organisieren. Leider fand er keine Schnittstelle zu der Stromversorgung und hakte daraufhin beim Hersteller nach. Die konnten ihm auch keine fertige Lösung bieten und hatten auch kein Interesse daran, für ihn eine Lösung zu entwickeln. Krauthausen kniete sich in die Spezifikationen seines Rollstuhles und fand heraus, dass es diverse Zusatzteile für den Rollstuhl gibt, unter anderem auch einen Zigarettenanzünder. Da war die Schnittstelle, die er brauchte! Geschwind in ein Autobedarfsgeschäft und einen Adapter für den Zigarettenanzünder im Auto geholt – fertig war die mobile Auflademöglichkeit für sein Smartphone.

DIY-Ideen entstehen im Alltag. Häufig sind diese Ideen so simpel, dass man sie zunächst einmal verwirft, weil man sie für zu banal hält, oder auch, weil man denkt: „Das gibt’s doch schon längst.“ So kam Krauthausen 2014 auf die Idee, Rampen zu bauen, die Rollstuhlfahrern dabei helfen können, Hindernisse wie Bordsteine zu überwinden. Diese Rampen sollten klein und leicht sein, sodass sie immer mit dem Rollstuhl mitgeführt werden können. Und nicht zu teuer in der Herstellung. Man denkt, das müsste es doch geben … Gabʼs aber nicht. So machte sich Raul ans Werk und entwickelte einen Prototypen mit Legosteinen. Es entstanden zahlreiche Grundformen, er fand schließlich in einem kleinen Keil die beste Form.

Nachdem der Prototyp aus Lego gebaut und in der Praxis ausprobiert war, ging es für ihn um die Frage, aus welchem Material alltagstaugliche Rampen gebaut sein müssen, um auch zum Teil beachtliche Gewichte auszuhalten. Er entschied sich, die Keile per 3D-Drucker herzustellen.

Krauthausen besitzt seit 2013 einen eigenen 3D-Drucker. Damit ist er in der Lage, sich nützliche Gegenstände selbst zu erstellen und auf seine Erfordernisse hin anzupassen. So fand er beispielsweise auf der Webseite www.thingiverse.com, auf der rechtefreie 3D-Modelle veröffentlicht werden, einen Bauplan für einen praktischen Tassenhalter speziell für Rollstühle. Seitdem gibt es bei Krauthausen heißen Kaffee auch unterwegs.

Er experimentierte viel mit seinem 3D-Drucker, um eine optimale und stabile Form zu entwickeln, die sich auch gut auf einem 3D-Drucker ausdrucken lässt. Er stellte seine Lösung online und forderte die Maker-Community auf, ihm ergänzende Ideen zu nennen. So kam es zu dem Vorschlag, auch ein Anti-Rutsch-Profil einzuplanen, das praktischerweise direkt mitgedruckt werden kann.

Der Keil hat längst seine Alltagstauglichkeit bewiesen. Jeder, der möchte, kann sich das 3D-Modell für die Rampe aus dem Internet herunterladen und ausdrucken. Die Druckkosten für ungefähr drei Rampen belaufen sich auf 50 Euro. Der 3D-Drucker muss allerdings ganz schön ackern für so eine Rampe, er ist dann ca. 26 Stunden in Aktion. Am Stück.

Wer keinen eigenen 3D-Drucker hat, kann bei zahlreichen Maker-Initiativen gegen eine Erstattung der Materialkosten einen 3D-Drucker mitnutzen. Das von Krauthausen entwickelte 3D-Modell kann hier heruntergeladen werden:

www.thingiverse.com/thing:213181.

Krauthausen hat seine Entwicklung unter die sogenannte Creative-Commons-Lizenz (CC) gestellt. Jeder andere Bastler darf sein Modell somit frei und ohne Rückfrage nutzen und nach seinen Wünschen abändern, allerdings mit der Auflage, dass die Nachbauten anschließend die CC-Bestimmungen erben. Diese Lizenzbestimmung ist in der Maker-Community inzwischen zu einem Standard geworden, sie stützt die freie Wissensverbreitung der Ideen weltweit.

Die Lizenzbestimmungen, die Krauthausen für seine Rampe festgelegt hat, sehen auch seine Namensnennung bei Nachbauten vor. Und das vollkommen zu Recht.

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Volker Bombien