Mario Lukas hat Informatik studiert. Er stammt aus der Eifel und wohnt mittlerweile in Aachen, wo er an der RWTH studiert hat. Er ist noch immer mit seiner Heimat verwurzelt. Wenn sein Eifeler Heimatfußballverein den Wunsch hat, eine beleuchtete Anzeigetafel für die übersichtliche Darstellung der Spielzeit anzuschaffen, dann fragen sie zuerst Lukas, ob er das für sie bauen kann.

lukasUnd in den allermeisten Fällen kann er. Dann hört und sieht man einige Tage nichts von ihm, ehe der 35-Jährige ein verwackeltes Kurz-Video auf Facebook veröffentlicht. Das Video zeigt bereits eine große beleuchtete Digitalziffer, die alle Zahlen von 0 bis 9 darstellen kann. Das Video ist dann stets mit einem selbstkritischen Kommentar versehen wie „Bin überhaupt noch nicht mit der Lichtdiffusion zufrieden …“, aber die 34 „Likes“ und zahlreiche positive Kommentare („Sieht doch schon suuuuper aus!“) sprechen eine andere Sprache. Und irgendeiner seiner Facebook-Freunde weiß dann auch mit Sicherheit einen Tipp, welches Material Lukas verwenden soll, um das Licht der verwendeten Lichtquelle schön diffundieren zu lassen.

Drei Tage später veröffentlicht er ein weiteres, ebenso verwackeltes Video auf Facebook, das bereits die Uhrzeit mit allen Ziffern darstellen kann. Und wieder bekrittelt er seine eigene Arbeit, wieder wird der Arbeitsfortschritt mit zahlreichen Kommentaren seiner Facebook-Freunde versehen, wieder erhält er erneut wertvolle Hinweise von seinen Bastelfreunden.

Wenn dann nach einer Woche von ihm ein schönes Video auf Facebook veröffentlicht wird, dann können seine Fußballfreunde in der Eifel sichergehen, dass sie schon bald eine schöne große Anzeigentafel auf dem Sportplatz haben werden, die sich nicht hinter kommerziellen Produkten verstecken muss. In einem begleitenden ausführlichen Blog-Beitrag auf seiner Webseite veröffentlicht er eine Schritt-für-Schritt-Bauanleitung für die Anzeigentafel und stellt direkt ein Computerprogramm zum Download zur Verfügung, um eine Anzeigentafel anzusteuern. Und schon meldet sich ein Eifeler Junggesellenverein bei ihm, ob er auch für sie so eine schöne Anzeigentafel … Und Lukas kann.

Seine gute Vernetzung wird vor allem dann sichtbar, wenn er mal wieder eine Idee ausgetüftelt hat und er sich damit an einem Wettbewerb beteiligt. Dann wundert sich mancher Wettbewerbs-Auslober, wie er es schafft, dass oft innerhalb von Stunden Hunderte von Menschen aus aller Welt für Lukas’ Projektidee abstimmen. So ist nicht verwunderlich, dass er bereits zahlreiche Preise bei Ideenwettbewerben einheimsen konnte. 2013 und 2014 gewann er jeweils den ersten Preis beim „Make-Light-Wettbewerb“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für die Entwicklung eines 3D-Druckers auf Laser-Basis und eines Tischs, der eine Nebelwand produziert, gegen das ein holografisches Bild projektiert werden kann. 2012 belegte er beim „Mach-flott-den-Schrott“-­Wettbewerb des Heise-Verlages mit dem Bau eines Klopapierdruckers aus Elektroschrottteilen den 2. Platz in der Kategorie „Originalität“. Angespornt von dem Preis, baute er danach einen funktionierenden 3D-Drucker komplett aus Computerschrottteilen.

Mario Lukas ist ein Prototyp der Maker-Bewegung. Stößt er auf eine Technik, die ihm noch nicht geläufig ist, dann recherchiert er im Internet so lange darüber, bis er sich das Thema angeeignet hat. Oder er fragt in seinem großen Offline- und Online-Freundeskreis herum, bis ihm jemand Auskunft oder zumindest einen Link geben kann. Lukas kommuniziert intensiv über die sozialen Netzwerke und ist Tag und Nacht für Bastlerfreunde erreichbar. Lukas lebt das, was die Maker-Bewegung heute besonders ausmacht: Er teilt gern sein Wissen und seine Ideen und tut viel dafür, dass andere seine Projekte verstehen und nachbauen können. Er ist damit ein Verfechter der Open-Source- und Open-Hardware-Bewegung, die für die Offenlegung von Software-Code und Konstruktionsplänen eintritt.

Lukas’ wird bald Vater. Und wie es sich für einen Maker gehört, der bald Nachwuchs erwartet, so hat er bereits das zukünftige Kinderzimmer eingerichtet. Über dem Bett seines Kindes hängt bereits jetzt ein Bären-Mobile. Die Bären hat er am Computer gezeichnet und per Laser-Cutter ausgeschnitten. Wo der Bär sein Herz hat, dort leuchtet ein LED-Licht. Selbstverständlich hat er die Bauanleitung dafür auf seiner Webseite www.mariolukas.de zum Nachbauen veröffentlicht.

Volker Bombien