US-Filialist Barnes & Noble hat die Maker-Szene fest im Visier. Das Engagement geht über ein Nonbook-Sortiment für Bastler weit hinaus. Erstmals wurde in allen 647 Filialen zeitgleich eine Maker-Messe organisiert.

Das Trendthema Maker Movement kommt zwar aus den USA und hat dort eine riesige Fangemeinde, im US-Buchhandel hat es bisher aber nur am Rande stattgefunden. Das könnte sich ändern: Barnes & ­Noble hat die Hobbybastler der neuen Do-it-Yourself-Generation entdeckt und bietet ihnen in seinen derzeit 647 Filialen eine Bühne mit vielen Möglichkeiten.

Dass der größte Standortbuchhändler im Land die Maker-Szene hofiert, ist Teil des Konzepts, mit dem der neue CEO Ron Boire Barnes & Noble wieder zu alter Stärke zurückführen will. Schon Boires Vorgänger Michael Huseby hatte Nonbooks als Wachstumsbringer identifiziert, was dazu geführt hat, dass Spiele und Spielzeug als verlässliche Umsatzträger fest im Sortiment etabliert sind.

Jetzt ziehen Maker-Produkte wie Raspberry-Pi-Computer-Kits, 3D-Drucker und der Kinder-Roboter Meccano Meccanoid auf breiter Front in die Buchhandlungen ein, wo ihnen zum Probieren und Studieren viel Platz eingeräumt wird. Kunden aus der Maker-Szene sind wohlgelitten, denn für ihr Hobby sind die Bastler bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Zu den Top-Produkten des Händlers im Weihnachtsgeschäft gehörte ein „da Vinci“-3D-Drucker von XYZprinting, der bei Barnes & Noble im Sonderangebot immer noch 299,95 Dollar (ca. 272 Euro) gekostet hat.

Die große Nachfrage nach Maker-Produkten kommt bei der Buchkette nicht von ungefähr. Seit Barnes & Noble als erster Einzelhändler Anfang November gemeinsam mit Maker Media zu einer dreitägigen Mini Maker Faire geladen hatte, hat der Name des Großbuchhändlers in der Szene einen guten Klang. Maker Media ist ein US-Verlag, der die wichtigste Zeitschrift der Szene „Make“ herausgibt und Lizenzen für Maker-Messen vergibt.

Sherry Huss, Vorstandsmitglied von Maker Media und Mitbegründerin der Maker Faires in den USA: „Barnes & Noble hat auf lokaler Ebene Türen geöffnet und Interesse geweckt.“ Eine Fortsetzung ist 2016 geplant.

 

Kollektiver Wissensdurst

Die Idee für eine Maker-Messe unter dem Barnes-&-Noble-Dach war die Idee von Kathleen Campisano, die bei Barnes & Noble den Bereich Toys & Games verantwortet. Sie hatte im Mai eine Maker Faire in San Francisco besucht und war beeindruckt von dem kollektiven Einsatz und dem Wissensdurst aller Beteiligten.

„Barnes & Noble unterstützt alles, was mit Bildung zu tun hat“, sagt Campisano. „Und im 21. Jahrhundert gehört zu Bildung auch technisches Verständnis. Maker sind untereinander keine Konkurrenten, sondern interessieren sich dafür, was der andere macht; sie wollen kreativ etwas Neues schaffen und dafür haben wir ihnen eine Plattform gegeben.“

Der Buchhändler hatte in seinen Filialen nicht nur die nötige Fläche bereitgestellt und im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt, sondern auch Mitarbeiter abgestellt, die zusammen mit örtlichen Bastlern interessierte Besucher in die Maker-Welt eingeführt haben – und die Produkte natürlich auch verkauft haben.

Die Organisation der Mini Maker Faires war ein logistischer Kraftakt. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, findet Campisano:

Jede Filiale hatte ihre eigene Maker-Messe organisiert.

An langen Tischen wurde die neueste Maker-Technologie vom 3D-Drucker bis zum Lasercutter im Einsatz demonstriert.

Dass die Besucher, darunter viele Eltern mit Kindern, aktiv mitmachten und selbst Hand anlegten, war ausdrücklich erwünscht.

Huss schätzt, dass weit über 3000 Maker an dem Wochenende für ihre Sache geworben haben.

Bei zwölf Events in Schlüsselmärkten wie New York, Los Angeles, San Francisco und Boston waren zudem die Prominenz der Maker-Szene und Hersteller vor Ort.

Anja Sieg sieg@buchreport.de

Bastler und Tüftler:
Erwachsene und Kinder hatten bei der Mini Maker Fair von Barnes & Noble viel Gelegenheit, sich kreativ zu betätigen und von den Makern beraten zu lassen (u.)

Bei der Zentralveranstaltung in Barnes & Nobles Flaggschiff am New Yorker Union Square gaben prominente Maker und Hersteller Einblicke in die Maker-Szene (Foto r.).

Fotos: Barnes & Noble