Es ist äußerst schwierig, einen Gegenstand in Klaus Römers Wohnung auszumachen, der nicht selbst gebaut wurde oder zumindest abgeändert wurde. Seit Kindheitstagen ist kein Elektrogerät vor ihm sicher. Erst wenn er verstanden hat, wie das Gerät funktioniert, kann er es aus der Hand ­legen. Diese Neugierde hat Römer seinen Kindern Paul (13) und Anton (7) vererbt. Wenn man sie gemeinsam basteln sieht, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier drei Kinder miteinander spielen, drei Erfinder arbeiten.

Römer verbringt gern und viel Zeit mit seinen Kindern. Da der 42-Jährige als selbst­ständiger System-Techniker von zu Hause aus arbeitet, hat er dazu auch Gelegenheiten. Da wird dann schnell mal das mittägliche Essen kalt, weil man zu dritt über das Problem tüftelt, wie mehrere alte Diskettenlaufwerke so miteinander verbunden werden können, dass die unterschiedlichen Motorengeräusche ein Musikstück spielen. Schmort bei diesen Aktivitäten ein Kabel durch, dann wird gemeinsam Fehlersuche betrieben und das verschmorte Kabel stolz an die Wand geklebt, auf dass der Fehler nicht mehr gemacht wird.

Ein Vollblut-Maker kann nichts wegschmeißen. So hat Römer noch immer sein Stroboskop im Schrank verstaut, das er als Jugendlicher aus alten Elektronikteilen zusammengebaut hat. Noch immer sieht man den Stolz über sein Gesicht huschen, wenn er das Teil vorführt. Man kann aber auch noch immer die Ehrfurcht wahrnehmen, die er damals vor den 220 Volt Strom hatte, mit dem das Stroboskop betrieben wird. Diese Ehrfurcht hat er den Kindern weitergegeben, die das als Hilfestellung, nicht als Bevormundung empfinden.

In den Kinderzimmern bauten sie gemeinsam Hochbetten ein, die sie zuvor am Computer entworfen hatten. Beim Entwurf gab es keine gedanklichen Beschränkungen, jede Idee wurde ausführlich abgewogen. Gewagte Konstruktionen wurden mit befreundeten Statikern durchgesprochen. Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen: In den beiden Kinderzimmern stehen nun Hochbetten, die praktisch eine zweite Wohnebene in den Zimmern ermöglichen. Wohnbereiche, die nur den Kindern vorbehalten sind. Wenn man dem Sohn Paul dabei zusieht, wie er die selbstgebaute Leiter zu seinem Hochplateau erklimmt, kann man noch immer seinen Entwicklerstolz ein wenig erfassen.

Römer hat sich im Lauf seines Tüftlerlebens viele hochwertige Geräte und Werkzeuge angeschafft, die nun in der gesamten Wohnung und im Keller untergebracht sind, darunter: 3D-Drucker, Gasbrenner und eine wassergekühlte Fräse, mit der computergesteuert jedes erdenkliche Motiv in alle möglichen Materialien gebohrt werden kann. Den Umgang mit den Geräten lernen seine Kinder praktisch nebenher. Allerdings den Respekt vor den Geräten ebenfalls. Manchmal kann man Römer mit seinem Kindern auch draußen sehen, dann sind sie meistens mit ihren Longboards unterwegs. Seine Kinder haben ihm das Fahren auf diesem Brett beigebracht. Es fällt kaum auf, dass sie es besser können als er.

Volker Bombien