Interview mit Stephan Watterott

Er gehört mit dem Stand seiner Firma Watterott Electronic schon fast zum Inventar jeder Maker-Messe. Wenn man viele Kinder während einer Maker Faire mit der Nase direkt über einem Lötkolben sieht, dann ist er mit seiner Lötschule nicht weit weg. Und manch ein Bastler hat schon begeisterte Kommentare über Stephan Watterott in Maker-Foren veröffentlicht, weil er abends um 23 Uhr eine E-Mail mit einer tüfteligen Frage an geschrieben – und fünf Minuten später eine Antwort von ihm erhalten hat.

Der Online-Shop Watterott Electronic ist eine feste Größe in der deutschen Maker- und Bastler-Szene. Wie kam es zur Gründung des Online-Shops?

Einsatz an der pneumatischen RampeDie Idee ist eigentlich aus der Not geboren. Ich hatte ein Internetradio entwickelt und wollte es als Bausatz anbieten. Doch viele Bauteile waren in Europa nicht verfügbar, so dass ich bei einem amerikanischen Elektronikversand bestellen musste. Wer dort mehrfach bestellte, benötigte einen Gewerbeschein. Also habe ich ein Gewerbe angemeldet und im Elektronik-Forum www.mikrocontroller.net Leute für Sammelbestellungen gesucht. Innerhalb kürzester Zeit haben sich so viele Menschen bei mir gemeldet, dass ich mich entschloss, im März 2008 die Firma Watterott Electronic zu gründen. Einen Monat später eröffnete ich dann meinen Online-Shop.

Aus einer Garage heraus?

Ja genau. Das war damals eine harte Zeit. Ich arbeitete im Handwerksbetrieb meiner Eltern, meine Frau Karina war als Verwaltungsfachangestellte beschäftigt. Ab 17 Uhr haben wir mehrere Stunden in einer Garage Pakete gepackt und für den Versand vorbereitet. Nach einem halben Jahr wurde die Garage zu klein. Also haben wir ein Büro und Lager gesucht und das ehemalige Bahnbedienstetengebäude in der nahe gelegenen Stadt Leinefelde (in Thüringen) gefunden. Das Gebäude stand 20 Jahre lang leer, wir mussten viel Arbeit in die Sanierung stecken. Ein weiteres Jahr später kündigten meine Frau und ich unsere Jobs und kümmern uns seitdem ganz um unsere eigene Versandfirma. Eine riskante Entscheidung, die sich gelohnt, aber auch viel Arbeit gekostet hat. Wir haben mehrere Jahre keinen Urlaub gemacht.

Wie groß ist Watterott Electronic heute? 

In meiner Firma arbeiten insgesamt sieben Mitarbeiter, darunter – wie schon erwähnt – auch meine Frau Karina, die den gesamten Versand und Schriftverkehr koordiniert. Wir führen zurzeit an die 3500 Elektronikartikel mit weit über 150 000 Einzelteilen. Wir haben mittlerweile ca. 100 000 Kunden.

Welche Artikel bietet Watterott an?

Wir haben unser Sortiment auf Open-Source-Hardware ausgelegt, Arduino/Genuino und Raspberry Pi sind dabei die Kernprodukte, um die sich viele, viele weitere Artikel aufgebaut haben.

Warum bestellen Kunden bei Watterott? 

Unsere Kunden wissen unsere aktive Unterstützung von Open-Source-Hardware zu schätzen, das ist ihnen ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Da sich gerade in diesem Bereich so viel tut, sind die Kunden uns dankbar, dass wir diese Entwicklungen aufmerksam verfolgen und wir Artikel in unser Sortiment aufnehmen, die den Open-Source-Kriterien entsprechen.

Unseren Kunden ist aber auch die Lieferzeit wichtig. Maker sind Menschen, die sofort loslegen möchten – und nicht tagelang auf ihre Bestellung warten möchten. Wir verschicken in der Regel alle Bestellungen noch am gleichen Tag, wenn die Bestellung bis 15 Uhr bei uns eingetroffen ist. Kundenservice ist ebenfalls sehr wichtig. Unsere Kunden suchen Gesprächspartner für ihre Maker-Projekte, wir hören gern zu und helfen dabei, wo möglich.

Watterott ist häufig auch auf Bastler-Messen wie der Maker Faire vertreten. Wie wichtig ist der direkte Kundenkontakt?

Der persönliche Kundenkontakt ist uns natürlich sehr wichtig, und die Messen sind über das Jahr eigentlich die beste Möglichkeit für einen persönlichen Kontakt zu unseren Kunden. Außerdem macht es mir große Freude, bei der Lötschule, die ich gern auf Bastlermessen organisiere, Kinder für das Basteln mit elektronischen Bauteilen zu begeistern. Und wenn ich sehe, wie begeistert Kinder gemeinsam mit ihren Eltern unsere pneumatische Papierraketenabschussrampe nutzen, dann weiß ich, für wen ich das alles eigentlich mache.

Über welche Kommunikationswege erreichen Sie Ihre Kunden? 

Wir haben gemerkt, dass wir über die sozialen Netzwerke am besten einen direkten Kontakt zu unseren Kunden aufbauen und halten können. Wir nutzen Facebook, Google+ und Twitter für den Dialog mit Makern. Auf Youtube haben wir einen Channel eingerichtet, um besonders aktuelle Entwicklungen schnell und kompetent darstellen zu können. Auf Github, einem Fileshosting-Dienst speziell für Soft- und Hardwareprojekte, stellen wir Code-Beispiele und Schaltpläne zur Verfügung.

Wie informieren Sie sich über neue Produkte gerade in einem Bereich, der fast täglich neue Ideen hervorbringt?

In den letzten acht Jahren haben sich viele Kontakte und Freundschaften innerhalb der Maker-Bewegung für uns ergeben, daher ist man immer auf dem Laufenden. Wie es sich für eine gut funktionierende Community gehört, ist das aber immer eine Frage von Geben und Nehmen. Man erhält bedeutsame Informationen dann, wenn man selbst auch dazu bereit ist, Informationen zu geben.

Wie sieht die Zukunft von Watterott Electronic aus?

Die Zukunft kann man nicht voraussagen, aber unser Plan ist , die Firma weiter so zu betreiben, gleichzeitig aber auch mehr eigene Produkte zu entwickeln. Die Fertigung von Open-Source Projekten hat sich in den letzten zwei Jahren auch zu einem unseren Hauptaufgabengebiete entwickelt. Wir stellen zum einen unsere eigene Produkte her, bieten aber auch den Service für z.B. Kickstarter-Projekte an.

Interview: Volker Bombien